Dieser wackelige Moment – 2015

 

Mixed Media, 5-eckige Rauminstallation

27 Positionen aus Kunst und Wissenschaft, 2015/16, G.A.S-station,
Tankstelle für Kunst und Impuls, Berlin, Entstanden und erstmals gezeigt anlässlich des "Augustina träumt in progressius" – Projekts

 

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Die Rauminstallation schließt an eine Textpassage aus AUGUSTINAselbst, eine Erzählung von Elisa Asenbaum, an, in der ein kubischer Aufzug die Form transformiert. Die quadratische Bodenplatte als Symbol einer Grundlage, auf der man steht oder ein Gedankengebäude aufgebaut ist, berstet zu einem Fünfeck. (…) Dieser wackelige Moment – zwischen setzt direkt an der Idee der Aufzugstransformation an. Die Künstlerin hat diese Installation speziell für einen Raum in der G.A.S-station entwickelt: Ein Raum im Raum, den man betreten kann. In orangerotem Licht steht der Besucher auf einer weichen Bodenplatte etwas wackelig. Etwas unsicher wirkt der Raum, umgeben von einem feinen Netz aus Nervenbahnen. Die Bahnen hängen in mehreren Schichten, halbtransparent, und vermitteln eine Innerlichkeit, gerade so, als stehe man in einem Kanal des eigenen Inneren. Den Blick nach oben richtend, verliert sich die Decke in einer Flucht, irgendwo in der Unendlichkeit.

 

Kornelia Hoffmann entwickelte ihre Arbeit anhand des faktischen Raums in der G.A.S-station mit seiner eigenwillige Form und seinen fünf Ecken; sie bezieht den Lichteinfall durch die zwei Türöffnungen, die sie mit den transparenten Folien verschließt, mit ein. Die Imagination Pentagramm aus AUGUSTINAselbst verformt und verdichtet die Künstlerin in ihrem Konzept zu einem verzogenen Fünfeck

 

Text: Elisa Asenbaum, künstlerische Leiterin

Fotos: courtesy by G.A.S-station

 

Text aus: AUGUSTINAselbst, Elisa Asenbaum, Passagen Verlag 2016

 

”Der Bodenzug setzt sich in Bewegung … hinauf zu. Huuh, erleichtert und dann … dreht sich der Boden unter ihren Füßen, nein mit ihren Füßen, verliert seine ursprünglich quadratische Form, schraubt sich spiralig und der ganze Schacht mit ihm. Die Wände verzerren sich, winden sich, schrauben sich empor. Augustina fühlt sich augenblicklich total seekrank und kotzt auf den Boden. Eine pulsierende Seitenwand dehnt sich, die anderen zwei Eckpunkte rutschen näher zusammen und die Seiten des Schachts öffnen ihre Winkel, um nicht zu zerbersten. Augustina an die Wand gedrückt wie bei einer zu engen Umarmung, die sich kühl und glitschig anfühlt und dann … ein kleiner Ruck und eine klare senkrechte Kante ploppt hervor, bewegt sich nach außen und schenkt wieder mehr Platz. Die Bodenplatte kristallisiert sich als Fünfeck, das sich ruhig gleitend noch ein Stück nach oben schiebt. (…)“

 

„Als sich die Türen hinter ihr schließen, erhellt sich der Innenraum in orangefarbenen Tönen. Der vierkantige Schacht ist mit einem zarten undurchschaubaren Geflecht überzogen. Fein nervig verzweigen sich die glitzernden Äste entlang des fleischfarbenen Mauerschachts. Pulsierend bewegen sich Lichtimpulse auf- und abwärts durch die künstlichen Adern und entladen sich an den Knotenpunkten mit klein aufblitzenden Lichtexplosionen. Augustina stellt sich mittig, um nirgendwo anzukommen. (…)“